Forschung kann helfen, mehr aus eurer Mitmach-Aktion zu machen: neue Engagierte gewinnen, Kontakte halten und Aktionen so gestalten, dass Menschen gern wiederkommen. Hier findet ihr kurze Impulse aus der Forschung und konkrete Ideen für eure Praxis.
Was hat Engagement mit Lebenssinn zu tun? Mehr als viele denken!
Forschung zeigt: Menschen erleben mehr Sinn, wenn ihr Engagement zu ihren eigenen Werten passt – zum Beispiel Gemeinschaftssinn, Sicherheit oder Nachhaltigkeit. Und Organisationen spielen dabei eine große Rolle!
Praxis-Impuls: Macht klar sichtbar, wofür eure Initiative oder Organisation steht. So finden Interessierte leichter Zugang zu euch – und bleiben auch nach dem Ehrentag eher in Kontakt.
Wollt ihr mehr dazu erfahren, wie Sinn entsteht und wie ihr Engagierte langfristig gewinnt?
Hier geht es zur Studie: Sinn im Ehrenamt.Während sich Tausende Menschen bei Großveranstaltungen, wie beispielsweise der Fußball-EM engagieren, beklagen Vereine, dass sich für das Alltagsgeschäft nicht genug Engagierte finden. Im Gegensatz zum klassischen Vereinsengagement prägen die Einmaligkeit, der festgelegte Zeitraum und der Blick hinter die Kulissen das Erlebnis im Event-Volunteering.
Nach dem Event steigt vor allem die Bereitschaft, sich erneut bei einer Großveranstaltung zu engagieren. Aber wie kann man auch darüber hinaus Engagierte für ein Vereinsengagement gewinnen? Flexible Formate, ausreichend Informationen zu Anschlussmöglichkeiten und echte Anerkennung können langfristiges Engagement fördern.
Ihr möchtet mehr darüber erfahren, wie ihr den Spirit eines Events in euren Verein holen und dadurch neue Engagierte gewinnen könnt? Mehr dazu findet ihr hier: Engagement bei Sportgroßveranstaltungen (Event-Volunteering) und seine Auswirkung auf das Ehrenamt.
Skills-Based Corporate Volunteering (SBCV), d. h. der gezielte Einsatz der Kompetenzen von Unternehmensmitarbeitenden für gemeinnützige Zwecke, hat enormes Potenzial – wird aber oft nicht strategisch genutzt.
Unsere Studie zeigt: Viele Unternehmen bieten klassische Einsatzmöglichkeiten, nutzen das Lernpotenzial für Mitarbeitende kaum und kämpfen mit Ressourcenmangel.
78 % wollen mehr SBCV ermöglichen, aber nur 4 % sehen strategische Personalentwicklung als Motivation für SBCV.
Mit klaren Strukturen, Netzwerken und Mittlerorganisationen können Unternehmen ihr Engagement wirksamer gestalten – für Mitarbeitende und Gesellschaft.
Praxis-Impuls: Der Ehrentag kann neue Kontakte zwischen Vereinen, Kommunen, Unternehmen und weiteren Partnern schaffen. Sprecht nicht nur über Hilfe am Aktionstag, sondern auch über Fähigkeiten, Kontakte oder Wissen, die langfristig nützlich sein können.
Wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, wie sich berufliche Kompetenzen von Beschäftigten für gemeinnützige Zwecke nutzen lassen, findet ihr hier weitere Informationen: Kompetenz trifft Ehrenamt.
Aktive Engagementförderung durch kommunale Akteure und Strukturen steigert nachweislich das Engagementniveau.
Aber was bedeutet überhaupt “aktive Engagementförderung”? Ein Forschungsprojekt hat sich das näher angeschaut und herausgefunden, dass die Würdigung und Anerkennung von Engagement ein zentraler Pfeiler ist und von Kommunen stärker gefördert werden sollte. Außerdem braucht es vielfältige Unterstützungs- und Austauschangebote, z.B. zur Frage, wie man an Fördermittel kommt. Dafür braucht es klar definierte Verantwortlichkeiten, Informationsplattformen, gezielte Schulungsangebote und spezialisierte Beratungsstellen.
Ihr möchtet mehr darüber erfahren, welche Rolle Kommunen in der Engagementförderung einnehmen? Dann schaut mal hier: Kommunale Engagementförderung.
Kurz mitmachen – und vielleicht länger bleiben
Viele junge Menschen wollen sich nicht sofort dauerhaft binden. Sie brauchen oft einen einfachen Einstieg, klare Aufgaben und die Möglichkeit, erst einmal auszuprobieren, ob ein Engagement zu ihnen passt.
Eine DSEE-geförderte Studie zeigt: Episodisches Engagement wird von nahezu der Hälfte der engagierten jungen Menschen genutzt. Es kann wie ein „Engagement auf Probe“ wirken, weil sich viele danach für ein kontinuierliches Engagement entscheiden. Digitales Engagement spielt ebenfalls eine Rolle: Rund jede fünfte engagierte Person bringt sich digital ein.
Praxis-Impuls: Kleine, zeitlich klare Mitmachoptionen können besonders gut als Einstieg wirken. Ergänzend können digitale Aufgaben helfen, junge Menschen niedrigschwellig einzubinden – zum Beispiel bei Kommunikation, Dokumentation oder der Ansprache im Netz.
Ihr möchtet mehr darüber erfahren, wie junge Menschen heute Engagement leben? Dann schaut mal hier: Neue Formen des Engagements von jungen Menschen im städtischen Raum.
Im Engagement bestehen soziale Ungleichheiten – und sie nehmen eher zu als ab.
Forschung zu ländlichen und nicht-ländlichen Räumen zeigt: Je nach Raumtyp unterscheiden sich die Chancen, Zugang zu Engagement zu finden. Im ländlichen Raum haben zum Beispiel Männer, Menschen mit höherem Einkommen und Menschen ohne Migrationsgeschichte bessere Beteiligungschancen.Praxis-Impuls: Bittet insbesondere neue Zielgruppen um Feedback zu eurer Ansprache. Hilfreich sind einfache Sprache, persönliche Einladungen, eine freundliche Begrüßung, klare Aufgaben und feste Ansprechpersonen. Auch Orte, an denen Menschen ohnehin sind – etwa Nachbarschaftstreffs, Beratungsstellen, Familienzentren, Schulen oder lokale Initiativen – können helfen, neue Gruppen zu erreichen.
Mehr dazu erfahrt ihr hier: Ungleiches Engagement in ländlichen und nicht-ländlichen Räumen.
Kontakt:
Dr. Julia Schlicht
Forschung und Wissenstransfer, DSEE
julia.schlicht@d-s-e-e.de
Dr. Vivian Schachler
Forschung und Wissenstransfer, DSEE
vivian.schachler@d-s-e-e.de