Die Mütter des Grundgesetzes

Die Ausstellung beleuchtet den Einfluss der „Mütter des Grundgesetzes“ bei der Entstehung der Verfassung.

Grafik mit Ehrentags-icons, Ehrentags-Logo und dem Text "Ausstellung 'Die Mütter des Grundgesetzes'"

Wir haben mit Mareike Fingerhut-Säck, Mitorganisatorin der Ausstellung „Die Mütter des Grundgesetzes“, über den Einfluss von Frauen bei der Entstehung des Grundgesetzes gesprochen. Die Ausstellung wurde im Aktionszeitraum des Ehrentags vom 16.-31. Mai 2026 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) gezeigt.

Welche Idee steht hinter der Ausstellung?

Mir war wichtig, eine Ausstellung an die Universität zu holen, die Geschichte nicht vereinfacht. Die Ausstellung würdigt die Leistungen von Frieda Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel, ohne die Widersprüche auszublenden. Sie zeigt, dass Gleichberechtigung nicht das Ergebnis eines historischen Konsenses war, sondern hart erkämpft werden musste. Als Historikerin finde ich genau diesen differenzierten Blick wichtig. Und als Gleichstellungsbeauftragte sehe ich darin eine Einladung, darüber nachzudenken, welche Verantwortung wir heute für Demokratie, Teilhabe und Chancengerechtigkeit tragen.

Was hat das Engagement der Mütter des Grundgesetzes bewirkt?

Mich beeindruckt besonders, dass die Verankerung der Gleichberechtigung im Grundgesetz das Ergebnis eines politischen Ringens war. Die Erzählung ist heute oft so, als hätten die vier Mütter des Grundgesetzes von Anfang an geschlossen für dasselbe Ziel gekämpft. Tatsächlich waren ihre Positionen unterschiedlich und zum Teil kontrovers. Gerade das macht ihre Geschichte so spannend: Demokratie lebt vom Streit um die bessere Lösung. Dass am Ende der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ins Grundgesetz aufgenommen wurde, verdanken wir nicht nur einzelnen Politikerinnen, sondern auch dem Druck vieler Frauen aus der Zivilgesellschaft. Das zeigt, dass gesellschaftlicher Fortschritt möglich ist, wenn Menschen sich einmischen und für ihre Überzeugungen eintreten.

Warum haben Sie den Ehrentag in Form dieser Ausstellung unterstützt?

Für mich als zentrale Gleichstellungsbeauftragte der OVGU und als historische Geschlechterforscherin war schnell klar, dass wir den Geburtstag des Grundgesetzes nicht nur feiern, sondern auch zum Nachdenken nutzen sollten. Gerade in einer Zeit, in der demokratische Werte, Gleichstellungspolitik und wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend infrage gestellt werden, halte ich es für wichtig, an die Entstehungsgeschichte unserer Demokratie zu erinnern. In Sachsen-Anhalt erleben wir wie anderswo politische Polarisierungen und Debatten über gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Ausstellung bietet die Gelegenheit, darüber ins Gespräch zu kommen, wie demokratische Rechte entstanden sind – und warum wir sie nicht als selbstverständlich betrachten dürfen.

Welche Wirkung hatte die Ausstellung?

Ich habe den Eindruck, dass die Ausstellung viele Menschen zum Nachdenken angeregt hat. Sie hat Gespräche darüber ausgelöst, wie eng Demokratie und Gleichstellung miteinander verbunden sind. Gerade in Sachsen-Anhalt, wo gerade jetzt Fragen nach gesellschaftlichem Zusammenhalt, demokratischer Kultur und politischer Beteiligung immer wieder neu verhandelt werden, halte ich solche Räume für besonders wichtig. Die Ausstellung macht deutlich, dass Rechte nicht einfach gegeben sind. Sie wurden erstritten, verteidigt und weiterentwickelt – und genau das bleibt auch heute unsere gemeinsame Aufgabe.

Dr. Mareike Fingerhut-Säck ist Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) und Leiterin der Stabsstelle für Gleichstellung, Diversität und Familie. Sie ist Mitorganisatorin der Ausstellung „Die Mütter des Grundgesetzes“.

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